Wie Achtsamkeit helfen kann, das Grübeln freundlich zu bemerken
... Es ist spät am Abend, und eigentlich möchte ich schlafen. Doch da taucht ein Gedanke auf. Eine Begegnung, ein Gespräch, irgendetwas, das mich tagsüber beschäftigt hat.
Hätte ich vielleicht anders reagieren sollen? Und warum hat mein Gegenüber das eigentlich gesagt?
Schon geht es los, und ein Gedanke folgt dem nächsten. Ich spiele das Gespräch noch einmal durch und überlege, was ich hätte sagen können und wie es dann wohl verlaufen wäre. Hätte, Hätte, Hätte… ich hänge fest…
Kennst Du das?
Ein neues Wort für etwas sehr Altes
Heute nennt man dieses endlose Gedankenkreisen Overthinking. Ein neues Wort für ein altes Kleid - bekannt als grübeln.
Oft bemerken wir nicht, wie sehr uns etwas beschäftigt. Wir stehen morgens unter der Dusche oder sitzen im Auto und sind in Gedanken ganz woanders.
Ist doch verrückt, was unser Verstand alles zustande bringt. Er erfindet ganze Gespräche, die nie stattgefunden haben, und malt sich Situationen aus, die vielleicht niemals eintreten.
Und unser Körper reagiert mitunter so, als wäre all das wirklich geschehen. Er reagiert unmittelbar darauf. Der Atem wird flacher, und irgendwo zwischen Kiefergelenke und Schultern zieht sich etwas zusammen.
Alles wegen ein paar Gedanken.
Wenn Nachdenken nicht mehr weiterhilft
Es gibt das Nachdenken, was sinnvoll sein kann, zum Beispiel bei einer Entscheidung die ansteht, wir eine Lösung brauchen oder welcher nächste Schritt folgen soll. Und es gibt das Kreisen, manchmal auch grübeln, das immer wieder an denselben Ort zurückkehrt, ohne etwas Neues mitzubringen. Wir uns die immer gleichen Fragen stellen, ohne zu einer Antwort zu kommen. Das macht eher eng als klar.
Bemerken, statt anhalten
In der Achtsamkeitspraxis üben wir, solche Momente erst einmal zu bemerken. Nicht, um die Gedanken zu stoppen, das gelingt ohnehin selten. Sondern um freundlich wahrzunehmen: "Aha, da bin ich wieder mitten in meinem Gedankenkarussell." Das Thema Gedanken ist allgemein viel zu komplex, um mit ein paar wenigen einfachen Tipps das Grübeln abzustellen. Je nachdem, wie belastend zermürbende Gedanken bei jemandem sind.
Probiere es selbst aus, vielleicht beim nächsten Mal, wenn sich Dein Kopf im Kreis dreht. Sag ganz leise zu Dir: „Ah, Denken“ und spüre dann Deine Füße auf dem Boden oder den langen, weichen Ausatem. Bleibe im Körper, wenn es geht. Spüre die Füße am Boden oder gehe am besten raus in die Natur.
Ich weiß, das hört sich jetzt so einfach an, als gäbe es einen Schalter, den ich nur anknipsen brauche. Ist es leider nicht. Wie schon Erich Kästner sagte, „es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Ich schreibe das hier nicht als Floskel oder Tipp, dafür aus meiner wirklich langen erforschenden Erfahrung heraus und der Erfahrung von Kursteilnehmenden. Es braucht ein freundliches Dranbleiben. Immer und immer wieder.
Wenn die Gedanken zu schwer werden
Manchmal ist das Grübeln mehr als ein Karussell am Abend. Es raubt Dir über Wochen den Schlaf, legt sich schwer auf Dein Gemüt, oder Du fühlst Dich darin ganz allein.
Dann darfst Du Dir Unterstützung holen. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Akt der Freundlichkeit Dir selbst gegenüber. Ein erster Schritt kann ein Gespräch mit Deiner Hausärztin oder Deinem Hausarzt sein.
Und wenn Du gerade jetzt jemanden zum Reden brauchst, ist die TelefonSeelsorge für Dich da, kostenfrei und rund um die Uhr, unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. Wenn Dir Schreiben leichter fällt, gibt es dort auch einen Chat unter online.telefonseelsorge.de.
Gemeinsam üben
Wenn Du spürst, dass Du gern mit anderen gemeinsam üben möchtest, etwas freundlicher mit Deinen Gedanken umzugehen, dann ist vielleicht ein Bildungsurlaub die richtige Wahl, um an einem schönen Ort Achtsamkeit kennenzulernen.
Wie wäre es mit Sylt vom : 18.04. - 23.04.27, zu buchen unter: Stressbewältigung nach Jon Kabat-Zinn
Oder vom 7.6.-11.6.27 - im Kloster Steinfeld, Eifel, zum gleichen Thema, zu buchen unter Eifel
Oder anderen Themen, schau Dich gern auf meiner Homepage um…,link
Oder wenn Du schon geübter bist, meine montägliche Online-Meditation um 19Uhr, ca. 30 Minuten, mit einem Impuls zu Beginn und dann für ca. 15-20 Minuten in Stille. Einmalige Anmeldung, dann bekommst Du den link zu Opentalk.
Oder besuche hier bei mir in Borken, den MBSR-8-Wochenkurs, weitere infos hier:
Du kannst mich auch gern per Mail oder telefon kontaktieren.
In diesem Sinne, Gedanken dürfen kommen, und sie dürfen auch wieder gehen, wie die bunten Herbstblätter, die aktuell tanzend zu Boden fallen oder vom Wind weiter getragen werden.
Von Herzen,
Beatrice
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