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Beatrice Kahnt Regen auf  der Haut und Natur

Sonnenfinsternis am Starnberger See

... es ist wieder soweit, eine Woche Bildungsurlaub im Kloster Bernried am Starnberger See. Und on top sollen wir am Mittwoch eine Sonnenfinsternis haben. Mein erster Gedanke: Welch passendes Bild zu der unruhigen Wetterlage vieler Menschen in diesem Jahr! 

Der Mond schiebt sich vor die tief stehende Sonne, und für eine Weile bleibt nur eine schmale Sichel, ein gedämpftes Licht zurück. Und weil das Ganze in die Stunde des Sonnenuntergangs fällt,  (hier in Bernried knapp 30 min eher als daheim in NRW), nimmt sie den Schatten mit hinüber in die Nacht, und erst am nächsten Morgen steht sie wieder frei sichtbar am Himmel. So hoffe ich doch:o)))

Ich muss daran denken, wie dieses Ereignis die Stimmungen beschreibt, die sich in diesem Jahr vermehrt um mich herum häufen. Nachrichten von Menschen, die sich gefühlt eher auf der Schattenseite befinden, die vor wichtigen Entscheidungen stehen, teilweise Schweres tragen und mit Unerwartetem umgehen müssen. Bei vielen bleibt eine Frage zurück, wann es wieder leichter wird oder lichtvoller.

In Gesprächen mit befreundeten Menschen bemerkte ich, wie schnell in mir etwas aufstehen will, um den Schatten zu vertreiben.

Später zeigte sich die leise Stimme: bleib doch einfach da, versuche es zu halten, mitzuhalten, dass für eine Weile weniger Licht da ist als sonst.

Auch mein Jahr hatte seine verschatteten Stunden. Solche Zeiten gehören dazu, so sehr wir sie niemals wollen. Sie legen sich vor das Licht, ohne es je ganz zu löschen. Und Schatten und Licht gehören zum Leben, wie der Ein- und Ausatem nicht zu trennen sind.

Vielleicht zeigt uns diese Sonnenfinsternis, dass wir inmitten schwieriger und dunkler Zeiten ein wenig Raum lassen, der nicht mit Aktionismus gefüllt werden muss. Eher ein schauen auf das, was uns stärkt, um diese Zeiten selbst halten zu können. Manchmal nährt ein Gang in die Natur, dorthin, wo die Luft anders riecht und der Boden Dich trägt, ohne etwas von Dir zu wollen. Wo ein Baum einfach da ist und der Himmel weit ist und beides Dich nicht fragt, wie es Dir geht. Dich an den Stamm anlehnen, die Verbundenheit von Himmel und Erde in Dir spüren, als Teil der Natur. Trost und Unterstützung in etwas Schönem finden, in dem was gut läuft und wir oft übersehen.

Die Finsternis bleibt Mittwoch für ein paar Minuten. Der Mond zieht weiter, wie er immer weiterzieht, und was für einen Moment verdeckt war, tritt wieder hervor. Wir müssen das Licht nicht herbeizwingen. Es genügt, ihm die Zeit zu lassen, die es braucht. Und auch uns selbst.

Leonard Cohen hat es einmal in einem Song besungen…“ There is a crack in everything,… In allem sei ein Riss und gerade das sei die Stelle, durch die das Licht hereinfällt. 

Vielleicht ist es mit den Schatten dieser Zeit ganz ähnlich. Dass sie uns nicht etwas wegnehmen wollen oder bestrafen, sondern eine Stelle offenlassen, durch die etwas hereinkommen möchte, das wir sonst vielleicht übersehen hätten.

Wenn Du magst begegnen wir uns am Mittwochabend alle mit Blick auf dieses Schauspiel am Himmel und erinnern uns an das innere verbindende Licht, auf das nie ein Schatten fällt.

 Von Herzen Beatrice an diesem traumhaften Ort

 

ps. Das Foto vom Starnberger See ist am späten Abend entstanden...

 

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