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Gezeichneter Kopf mit zwei Gedankenwolken: links ein Brief als schlichter Gedanke, rechts Bewertungen mit Rechnung, Euro, Fragezeichen und Sorgenspirale.

Wie Achtsamkeit Dir hilft, Abstand zu Deinen Gedanken zu finden.
Im letzten Beitrag ging es um das Gedankenkarussell am Abend. Ein Satz daraus, „... solange Du alles glaubst, was Du denkst, kann es herausfordernd sein, auch nur einen Atemzug bewusst wahrzunehmen …“.
Glaube nicht alles, was Du denkst. Ein kleiner Satz, und in ihm steckt eine ganze Praxis.

Gedanken kommen nicht neutral

Ein indischer Yogalehrer hatte mir die Sache mit dem Denken einmal plausibel erklärt. Es gibt den arbeitenden Verstand, und es gibt den denkenden Verstand. Der arbeitende Verstand ist wichtig, um den Tag zu planen, an Projekten zu forschen, einfach das zu tun, was notwenig ist, um unseren Alltag zu bestreiten.
Schwer wird es mit den Gedanken, die bewerten und uns sagen, was alles nicht stimmt und besser geht, wer wir sind, und so weiter. Ich bezeichne sie oft als Gedankenmüll. Ja, zu 90%.

Vielleicht hast Du früh gelernt, was es braucht, Dich zugehörig oder in Sicherheit zu fühlen. Alles möglichst richtig zu machen. Nicht groß aufzufallen und hilfsbereit zu sein. Heute wohnt in Dir wahrscheinlich eine innere Stimme, die aufpasst. Ständig kommentiert, was Du denkst, was Du fühlst und was Du tust. Und es fällt echt schwer, ihr nicht zu folgen. Unser Nervensystem hält an dem fest, was früher geholfen hat. Und heute können wir es hinterfragen. Stimmt das noch?

Zuerst bemerken wir diese Blase, oder die Wolke an Szenarien, die sich aufbläht, wenn ein Gedanke kommt. Auf meinem Bild zu sehen, das Beispiel mit dem Brief vom Finanzamt im letzten Beitrag. Der Brief ist einfach ein Brief. Das „Oh je, wer weiß, was drin ist“  kommt erst dazu. Gleichzeitig können wir spüren, was es mit dem Körper macht. Welche Stimmungen ausgelöst werden. Ob es eng wird, und wo. Und schwupps finden wir uns in den Szenarien wieder, weil wir ihnen glauben. Und wie viel Kraft es kostet. Das ist die Spirale im Bild, die sich beginnt zu drehen. Das ist anstrengend, oder?

 

Die Gedanken bleiben, das Festhalten wird weniger

Was bei den Gedanken wichtig ist, dass sie oft mit Gefühlen gekoppelt sind. Gedanken können sich hochschaukeln, auch die Gefühle. Aus einem kleinen Ärger kann Wut entstehen. Wie das Sprichwort heißt, aus der Mücke keinen Elefanten machen.

Ein anderes Zitat von der Psychologin und Autorin Klara Hanstein ist: „Nur weil die Angst etwas immer wiederholt, wird es dadurch nicht wahrer.“ Absolut.

Ich erforsche Gedanken seit inzwischen 30 Jahren. Auch durch die lange Meditations- und Achtsamkeitspraxis ertappe ich mich dabei, wie schnell es geht, dem Gedankeninhalt zu glauben.

Was sich verändert hat: es fällt mir schneller auf und ich kann STOP sagen. Und inzwischen anders drauf schauen. Denn der andere Blickwinkel auf das denken, auf das, was die Gedanken mir versuchen zu erzählen, hinterfrage ich heute nicht nur mit: Stimmt das? sondern auch, kann es eine andere Sichtweise geben?

 

Eine kleine Einladung

Wenn Du Dich das nächste Mal fragst, hey, warum fühle ich mich so bedrückt, schau, ob Du Gedanken bemerkst, die im Hintergrund schon eine Weile Musik spielen. Frage Dich weiter ganz leise: Was kam mit dem Gedanken mit? Und was habe ich selbst hinzugefügt?

Du musst nichts verändern. Nur einmal hinschauen, ob es da einen Zwischenraum gibt.

Tausche Dich aus, oder schreibe mir gern, wenn Fragen da sind oder besuche eins meiner Seminare.
Oder schaue aktuell einer Frucht vom Lindenbaum zu, die vor Deinem Fenster eine Pirouette dreht. Einfach bezaubernd, dieser Herbst.

 

Von Herzen,

Beatrice

 

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