Ein Moment auf Sylt...
Ich sitze auf Sylt in einer kleinen Treppennische aus Holz, den Rücken an die warme Wand geschmiegt. Vor mir öffnet sich das Meer. Weit, in vielen Blautönen und ohne Rand. Über mir die Sonne, erste Wolken und Möwen, die sich von der frischen Brise treiben lassen. In meinen Händen eine japanische Lektüre über Stille und Leere, und es ist, als spräche der Ort diese Worte weiter in den Raum. Das Meer möchte meine Aufmerksamkeit, mehr als das Buch. Ich lasse auch mich innerlich treiben.
Meinen Leuten im Kurs habe ich den Nachmittag geschenkt. Naja, mit einer Aufgabe: Zeit zum Erforschen von Freude, Leichtigkeit und dem Lebendigen nachspüren. Zum Kind werden.
Während alle ausströmen, bleibt in mir eine leise Frage zurück: Was ist in mir lebendig, hier, an diesem Ort? Was berührt mich?
Die nasse Hose wird am Körper trocken gewindet. Ich schmiege mich tiefer in die schützende Ecke und schaue dankbar in die Weite. Im Herzen klingt ein vergangenes Sesshin an – sitzen, gehen, sitzen, gehen... und dazwischen einfach sein. Ja. Sein. Das kann ich inzwischen.
Zwischen den einzelnen Buchkapiteln lasse ich den Blick immer wieder schweifen. Über das Wasser, über den Himmel, in den Nachmittag hinein. Ohne etwas zu fokussieren, ohne etwas zu wollen. Nur schauen. Und da sein. Pausieren.
Wie wohltuend so eine Pause ist, auch für mich.
Beatrice vom Bildungsurlaub auf Sylt
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