Gestern Abend brannte der Himmel - über das Innehalten an der Schwelle vom Sommer in den Herbst.
Gestern Abend brannte der Himmel. Hinter den dunklen Blättern des Pflaumenbaums ein tiefes Rot, das langsam in Violett überging, als würde jemand ganz behutsam ein Feuer herunterdimmen. Die Dächer gegenüber nur noch Schatten. Und rechts, vor einem Haus, leuchtete bereits eine Laterne, während dahinter der Tag verlosch.
Ich blieb einfach stehen und staunte, bevor ich die Kamera holte. Was für ein Leuchten. Wow. Magisch. Es gibt einen Moment, der weder dem Tag noch der Nacht gehört, ein Übergang selbst. Und etwas in mir wurde still, wie immer an solchen Schwellen. Nichts war zu tun. Nur bezeugen, was da geschah.
In der Luft lag diese Woche schon dieser andere Ton, ein Hauch goldener und leicht abgekühlter, als die Woche davor. Der Sommer steht an seiner Schwelle und zeigt sich in voll gereiften Pflaumen. Und doch kündigt sich leise etwas an, nicht mit einem Paukenschlag, sondern wie dieser Himmel, ein langsames Hinübergleiten, ein erster Duft von Herbst, das man mehr ahnt und riecht als sieht.
Ich mag diese Momente inzwischen. Das Nicht-mehr-ganz und Noch-nicht-da. Das Feuer, das verlischt, und das künstliche Straßenlicht. Beides zugleich, nebeneinander, ohne Eile. Ich gebe zu, der Herbst ist meine liebste Jahreszeit. Der Duft, die Fülle und Geschenke des Sommers, die ersten Stürme, wie gestern. Den dunklen Himmel am Tag, der den Regen bringt und mich einlädt, zum Buch zu greifen. Nichts zu müssen. Und, die Vorfreude auf den Winter. Bis ich dann wieder die ersten Frühblüher im Boden suche, die den Frühling ankündigen. Nichts hört einfach auf. Alles geht über und hinüber.
Wenn du also in nächster Zeit vor so einem Himmel stehst, oder den ersten kühlen Morgen spürst, oder irgendeine andere Schwelle in deinem eigenen Leben, dann eile nicht hinüber. Bleib einen Atemzug lang stehen. Schau auf das Feuer, das verlischt, rieche den Herbst am Morgen, oder halte einfach inne und staune.
Es ist alles ein einziger großer Übergang. Und wir mittendrin, schwellenkundig, im hinschauen und staunen..
Von Herzen Beatrice
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